Durch freie Bewegungsentwicklung zur Bindung

Unter Bewegungsentwicklung versteht man normalerweise einen Zuwachs an motorischen Fähigkeiten. Ein krabbelndens Kind kann mehr als ein liegendes, ein laufendes mehr als ein krabbelndes. Freie Bewegungsentwicklung ist aber viel mehr als das!
In diesem Beitrag zeige ich dir, wie du durch freie Bewegungsentwicklung wahre Liebe zwischen dir und deinem Baby erfahren kannst.

Wahrnehmung des eigenen Kindes unter dem Aspekt des Zuwachses an motorischen Fähigkeiten ist für alle, die Bindung erfahren möchten hinderlich.

Bewegungsentwicklung als Zuwachs an motorischen Fähigkeiten bedeutet, dass wir das Handeln der Kinder als einen Fortschritt wahrnehmen, der sich in der Zeit abspielt. Später ist besser als jetzt. Jetzt ist besser als gestern. Doch Kinder leben im Augenblick. Sie leben im Hier und Jetzt. Sie etikettieren und bewerten sich nicht, indem sie sagen: „Jetzt kann ich mich schon drehen und gestern noch nicht. Das ist besser!“ Aus diesem Grund wird der Fortschrittsgedanke eines Erwachsenen dem Erleben eines Kindes nicht gerecht, weil es den Augenblick, so wie er jetzt ist, nicht würdigt. Stattdessen wird der Augenblick in ein Verhältnis zwischen vorher und nachher gesetzt. Zwischen Vergangenheit und Zukunft. Insofern ist Bewegungsentwicklung als ein Zuwachs an motorischen Fähigkeiten zu wissenschaftlichen oder diagnostischen Zwecken nützlich, aber für alle, die wahre Liebe erfahren möchten sehr fraglich.
Eine erweiterte Wahrnehmung von Kindern in Bewegung bezieht sich auf die Entwicklung des Selbstbewusstseins: Kinder erfahren sich mithilfe ihres Körpers. Sie werden sich selbst bewusst, indem sie sich mit den physikalischen Gegebenheiten der Erde auseinandersetzen. Sie kommen im gewissen Sinne zu sich, indem sie sich spüren. Aber auch hier liegt ein Fortschrittsgedanke eines Erwachsenen zugrunde.
Was kann man dem entgegensetzen? Was könnte dem Erleben deines Kindes gerecht werden und wie kannst du mit deinem Kind wahre Liebe erfahren?

Bewegungsentwicklung kann ein Tor zu Bindung werden und Liebe bedeutet dein Baby so zu sehen, wie es ist.

Wahre Liebe ist jemanden so zu sehen, wie er ist. Du siehst das wahre Wesen deines Kindes und nicht dein Bild. Du nimmst dein Kind vorbehaltlos an, du lässt es so wie es ist, ohne regulierend oder manipulierend einzugreifen. Dein Kind möchte gesehen werden, in dem, wer es ist und nicht in dem, was es werden soll oder nicht ist.
Nun: Der Sprung zu dieser erwartungsfreien Haltung, zu einem Erleben im Hier und Jetzt ist sehr groß. Wir leben in einer Zeit, in der wir in unseren Gedanken fast gefangen sind. Wir sind ständig im Planen der Zukunft und unsere Gedanken drehen sich um Probleme und Sorgen. Wie sollen wir uns in diesem Zustand vom Augenblick verführen zu lassen?

Vier Fragen zu wahrer Liebe

Ich schlage dir vier Fragen vor, die das Potenzial haben, dich zu wahrer Liebe zu führen:

1. Was tut mein Baby?

Um deinen Geist etwas zu tun zu geben, kannst du beobachten, was dein Baby tut. Detaillierte Videos, Bilder und Beschreibungen können dir beispielhaft zeigen, was Babys alles tun. Dein Blick wird sich verfeinern, du wirst vielleicht Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen den abgebildeten Kindern und deinem Baby erkennen, du kannst so die Strategien, das Temperament deines Babys erkennen und anerkennen. Wann macht dein Baby Pausen? Wann braucht es eine Pause? Was macht es, wenn es scheinbar nichts macht?

2. Wie tut dein Baby etwas?

Wie kommt dein Kind in eine andere Position? Oder: Wie dreht sich dein Kind? Schnell, langsam, ruhig, hastig?

3. Wie geht es deinem Baby?

Ist dein Kind zufrieden, ruhig, aufgeregt, frustriert?

4. Wer bin ich in dieser Situation?

a. Beobachte deine Gedanken. Bist du mit dem Gedanken bei deinem Kind oder bei dem Ausräumen der Waschmaschine oder dem Termin beim Kinderarzt? Denkst du an ein anderes Kind und vergleichst es mit deinem? Bist du voller Erwartung in Bezug auf bestimmte Errungenschaft?
b. Wie geht es dir in dieser Situation? Bist du entspannt, angespannt, genervt, unter Zeitdruck?
c. Was nimmst du als deine Aufgabe wahr? Helfen, stoppen, abwarten, abrufbereit sein?

Nach und nach wirst du feststellen, dass
– dein Baby manipulative Eingriffe nicht nötig hat.
– dein Baby in dem, was es tut vollkommen genügsam ist
– du dich von deinen Erwartungen, die zu Ungeduld und manipulativen Eingriffen führen immer besser lösen kannst und du immer besser weißt, wann dein Baby Hilfe braucht.
Ich schlage dir hier vor, die Spielzeit deines Kindes mehr fragend als wissend oder erwartend zu begleiten.
Dein Kind ist allein durch seine Existenz etwas wunderbares und Wertvolles. Erinnere dich an die erste Zeit mit deinem Baby, an die ersten Tage. An den Augenblick des ersten Anblicks: Wie tief berührt du von diesem vollkommenen Wesen warst. Das war ein Augenblick wahrer Liebe. Du kannst solche Augenblicke nicht künstlich oder methodisch geleitet herbeiführen, aber du kannst mit der Arbeit an deinen Erwartungen, Vergleichen, Ungeduld einen Nährboden für wahre Liebe schaffen.

About the Author

Evelyn Podubrin ist Erziehungswissenschaftlerin und Pädagogin. Sie arbeitete sechs Jahre in dem Forschungsprojekt Lernkultur- und Unterrichtsentwicklung in Ganztagsschulen und war Dozentin in der Lehrerausbildung an den Universitäten Hannover und Potsdam. Evelyn ist Initiatorin der ersten Online-Schwimmschule Deutschlands und Veranstalterin des internationalen Kinder-in-Bewegung-Kongresses.

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