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Warum sich Theo nie schwer verletzt hat – unfallfreie Kindheit

Theo ist fast sechs Jahre alt. Er hat sich niemals schwer verletzt. Unterwegs ergreift er jede erdenkliche Möglichkeit, zu klettern, balancieren oder springen. „Er verbrachte den ganzen Tag auf einem Baum“, berichtete letzte Woche die Pädagogin seines Kinderladens.

Ich dagegen hatte mit sechs Jahren nach einem Sturz auf einen Betonboden einen wochenlangen Krankenhausaufenthalt bereits hinter mir: 5 cm langer Schädelbruch. Leichtere und schwere Verletzungen mit Gips folgten im Grundschulalter. Der Sportunterricht war mein schlechtestes Fach. Jede Sportbefreiung war ein Segen. Jahrelanges Cellospiel, das mit sieben Jahren begann und das Tragen des schweren Instruments auf einer Schulter, ist mein Körper fast ein Wrack. Yoga, KungFu, Joggen helfen heute enorm.

Vorab: Eine unfallfreie Kindheit gibt es nicht. Kleinere Verletzungen sind ein Teil des Aufwachsens. Das Problem stellen schwere Verletzungen dar. Diese müssen vermieden werden.
Es gibt jedoch Kinder mit bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen, die sich besonders in den ersten Lebensjahren entwickeln können. Solche Kinder erleiden in der Regel sehr selten schwere Verletzungen.

Es geht vor allem um Selbstsicherheit, die Fähigkeit Gefahren gut einschätzen zu können und eigene motorische Grenzen zu kennen.

1. Warum sich Theo bislang nicht verletzt hat und die Freude an der Bewegung beibehalten hat

Wächst Theo in einer besonders sicheren Umgebung auf? Nein.
Passe ich besonder gut auf ihn auf bzw. ist er besonders behütet? (Mit einem Einzelkind geht es leicht.) Nein.
Geht Theo zum Kinderturnen oder betreibt eine Sportart? Nein.
Ist es übervorsichtig oder ängstlich? An Land gar nicht. Vor dem Wasser hat er Respekt.
Ist er motorisch besonders begabt oder überdurchschnittlich entwickelt? Auch nein – ein ganz normales Kind.
Ist er auf dem Land aufgewachsen? Nein.

Was sind also Bedingungen für eine unfallfreie Kindheit?

2. Theos Geschichte freier Bewegungsentwicklung

Theo darf sich ab dem vierten Monat frei bewegen. Nachdem er deutlich signalisiert hat, dass er das Üben der Bauchlage nicht erträgt, haben wir den Kurs um 180 Grad geändert. Ab jetzt: Vertrauen, Zeit geben bzw. nichts forcieren und einfach machen lassen (natürlich nur, wenn die Umgebung sicher ist.) Wir erkannten zwar relativ spät, dass eine feste Unterlage während der Spielzeit tagsüber für das Drehen und später Kriechen sehr hilfreich ist, aber schlussendlich hat Theo die Drehung schnell nachgeholt, nachdem wir ihn auf einem Holzboden oder dünnen Teppichboden legten.
In Theos Zimmer befindet sich ein 2 m langes Rutschbrett, welches wir an unterschiedlich hohen Stufen befestigen können. Die Stufen bauen wir immer wieder zu unterschiedlichen Ensembles zusammen.

Rutschbrett als Unfallprävention

Als Theo ein Jahr wird, verlassen wir für drei Monate Europa und machen eine Asienreise. Zwar sind die Unterkünfte für einen krabbelnden Säugling nicht immer optimal ausgestattet, aber wir lassen Theo Treppen hochklettern, bei wenigen Stufen kopfüber herunterklettern, Stühle schieben und überall, wo es möglich ist, krabbeln.

GroßerBewegungsdrang2

In dieser Zeit sind wir eine glückliche Familie. Niemand bewertet unser Handeln, niemand bewertet Theos motorische Entwicklung. Auch wir genießen jeden Augenblick und folgen einfach unserem Kind. So zegt uns Theo, dass man eine Rutsche zunächst von unten erobert. Die meisten Kinder auf einem Spielplatz in Singapur warten geduldig, bis das blonde Baby die Rutsche wieder frei gibt. Auch sie fangen an, die Schuhe auszuziehen und klettern die heiße Rutsche hoch.

Baby klettert auf eine Rutsche

Nach der Rückkehr aus Asien bekommt Theo ein Sprossendreieck, etwas später eine Hühnerleiter und eine Sprossenwand. Theo verbringt viel Zeit draußen in Parks und wir bleiben stets bei der freien Bewegungsentwicklung: angemessene Umgebung anbieten, vertrauen, Zeit geben, nicht in Positionen versetzen, die er von alleine nicht erreichen kann, keine Bewegungsaufgaben stellen, nicht übermäßig loben, sich einfach über seine selbstgestellten Aufgaben und den Umgang damit freuen.

Dreiecksständer gibt es bei einigen Anbietern

Sprossenwand mit Hühnerleiter

Mit drei Jahren kommt Theo in einen Kinderladen, der nach Pikler, Hengstenberg, Montessori und den Wilds arbeitet. Obwohl diese Einrichtung keinen Außenbereich hat, wachsen die Kinder in einer entwicklungsangemessenen Umgebung auf und können in ihrem Tempo laufen lernen, klettern, balancieren und springen.
Irgendwann fängt Theo an, einen Kopfstand zu machen. Dafür wann ein Kind einen Kopfstand macht, gibt es keine Erwartungen und meiner Kenntnis nach keine Studien oder Richtwerte. Der Kopfstand gehört auch nicht zum Indikator für gesunde Entwicklung in den Vorsorgeuntersuchungen. Ganz anders ist es mit dem Laufrad- und Fahrradfahren: Theo lernt irgendwann Laufrad fahren – auch hier sind wir geduldig, obwohl der dritte Geburtstag längst vorbei ist.
Kopfstand

3. Was haben Kinder davon, wenn sie sich frei bewegen dürfen? – Antwort von Agnes Szántó auf dem Kinder-in-Bewegung-Kongress

Agnes Szántó ist heute weit über 60 und durfte sich als Baby und Kleinkind frei bewegen. Sie fühlt sich bis heute ausgezeichnet, ist voller Leben und fährt Ski. Ich habe sie gefragt, was Kinder davon haben, wenn sie sich frei bewegen dürfen. Sie lacht und antwortet:

4. Fazit

Freie Bewegungsentwicklung ist kein Konzept, keine Idee davon, wie Kinder aufzuwachsen haben und keine Anleitung. Freie Bewegungsentwicklung ist im menschlichen Organismus angelegt. Unsere Aufgabe ist nur, sich etwas zurückzunehmen, die Erwartungen loszulassen, sich von der Omnipotenz ein ein Stück zu verabschieden und zu beobachten. In den ersten drei Lebensjahren können wir Grundsteine nicht nur für eine fantastische Bewegungsqualität, sondern für einen selbst- und verantwortungsbewussten Menschen legen. Lassen wir uns auf die menschlichen Lebensprozesse ein, eröffnen sich ganz neue Welten: Anziehen, Zähne putzen, Aufräumen in späteren Jahren können zu freudvollen, bildenden und Selbständigkeit fördernden Aktivitäten werden.

Brauchen Kinder Tipps beim Klettern?

Wann bist du das letzte Mal eine Strickleiter hochgeklettert?

Ich muss ehrlich sagen, dass ich mich kaum erinnern kann.

Wie man am besten diese Herausforderung meistert, wissen die meisten Erwachsenen nicht, denn: Klettert man die Strickleiter wie eine feste Leiter hoch, drückt man die Leiter mit dem Fuß weg und verliert den Halt.

Lösung: Man klettert quer.

In diesem Video wird das Problem und die Lösung – quer zu den Holmen zu klettern – präsentiert:

Strickleitern finden sich in vielen Kletterparks und werden in immer mehr Kinderzimmern installiert.

Schnell machen die Kinder dieselbe Erfahrung: Sie verlieren den Halt, weil sie die Leiter wegdrücken.

Kinder müssen also die Möglichkeit haben, das eingeübte Bewegungsmuster an einer festen Leiter an eine Strickleiter anzupassen.
Piaget nennt es Akkomodation.

Sind wir in der Nähe, verlangen sie nicht selten, dass wir die Strickleiter festhalten.
Nach Piaget versuchen sie die Umwelt zu assimilieren – die Umwelt an die eigenen Wahrnehmungschemata anzupassen.

Im nächsten Video klettert ein Fünfjähriger eine Strickleiter herunter.

Er hat sich diese Aufgabe selbst gestellt und fordert keine Hilfe ein.

Weder wurde er motiviert, diesen Weg zu wählen, um herunter zu kommen, noch bekam er Tipps.

Nun heißt es: Vertrauen und Zeit geben.

Auf die Idee quer zu klettern, wird auch er noch kommen!

Wenn sich Kinder schwierige Aufgaben stellen und aufgeben, ist nicht selten unser erster Impuls, sie zu motivieren oder Tipps zu geben.

Meistens haben die Kinder ein sehr gutes Gespür dafür, ob die selbstgestellte Aufgabe noch Zeit hat.

Unsere Rolle besteht darin, den Kindern einen materiellen Raum zu Verfügung zu stellen, der ihnen solche Erfahrungen ermöglicht.

Insofern sollten wir eher auf das Gespür der Kinder vertrauen, bevor wir ihnen Tipps geben.

Was denkst du? Wann sind Tipps und motivierende Worte sinnvoll?

13 Geheimnisse, damit die motorische Entwicklung deines Kindes nicht auf der Strecke bleibt

„Er fällt doch gleich hin!“ zischt sie ihre Schwiegertochter an.

Der zweijährige Elias erobert einen Stein nach dem anderen.

Seine Mutter steht mit Händen in den Hosentaschen und schaut zu, wie sich ihr Sohn mit der Ruhe eines Hochseilartisten vorsichtig aufrichtet.

Er steht nun auf dem höchsten Stein.

Riskiert Elias Mutter vielleicht gerade die Gesundheit ihres Kindes?

Ist er zu klein für so einen Kletterakt?

Er sieht auf jeden Fall nicht verunsichert aus.

Er scheint genau zu wissen, was er macht.

Das hat seine Großmutter mittlerweile auch mit Erstaunen bemerkt.

Elias Mutter steht weiterhin mit den Händen in der Hosentasche am Rande des Geschehens und lächelt ihrem kleinen Liebling zu.

Er hat es ganz alleine geschafft.

Wie das möglich ist, fragst du dich jetzt?

Lass dich von den zehn Geheimnissen der freien Bewegungsentwicklung überraschen!

Mit diesen Geheimnissen wird sich dein Kind genauso wie Elias eigenverantwortlich und sicher bewegen.

Und du hast auch was davon.

Geheimnis in der motorischen Entwicklung #1: „Schluss mit Schnell“

So lautet übrigens der Titel einer Arte-Dokumentation über die Ära der Beschleunigung.

Wir sind in einem Zustand permanenten Zeitdrucks: Unsere Gesellschaft rast auf die ökologische, wirtschaftliche und soziale Katastrophe zu1)https://www.youtube.com/watch?v=QHMG2XwPLyY&t=1m30s.

Eltern haben Zeitdruck. Sogar eine ganze Menge.

Hast du nicht auch schon einmal Druck verspürt?

Wann war das das erste Mal?

Als dein Kind nach seinem ersten Geburtstag noch nicht laufen konnte?

Vielleicht als alle anderen Eltern schon längst beim Babyschwimmen waren und du noch nicht einmal richtig darüber nachgedacht hast?

Die Studie „Eltern unter Druck“2)http://www.kas.de/upload/dokumente/2008/02/080227_henry.pdf hat gezeigt, „dass es heute unabdingbar ist, einen Vorsprung vor den anderen zu haben.“

Krabbelt das eigene Kind später als das Nachbarskind oder läuft mit 15 Monaten noch nicht, greifen viele Eltern zu beschleunigenden Maßnahmen.

Wer macht bei dir das Rennen? Dein Kind oder doch das des Nachbarn?

Ist dein Kind vielleicht schon außerhalb der Entwicklungstabelle?

Oder versuchst du mit Fördermaßnahmen eine mögliche Verzögerung zu vermeiden?

Die Spielzeugindustrie wartet mit perfekten Produkten auf dich: Krabbelrollen oder Lauflernwagen sollen helfen, dein Kind bestmöglich motorisch zu fördern.

Ist dein Kind deutlich über der Norm, wird der Kinderarzt höchstwahrscheinlich mit einer Überweisung zu einer Physiotherapie winken.

Wie haben die Kinder früher ohne all die Geräte bloß krabbeln oder laufen gelernt?

Wie viele Kinder waren damals entwicklungsverzögert, ohne all der Therapien?

Sie haben sich in ihrem eigenen Tempo entwickelt.

Während die Kinder heute bis ins letzte Detail vermessen und anhand einer „normalen“ Entwicklung einsortiert werden, hat es früher wahrscheinlich niemanden interessiert, ob sich ein Kind mit drei, fünf oder erst mit sechs Monaten auf den Bauch drehen konnte.

Niemand hat daraus ein Drama gemacht.

Lass den Zeitdruck weg!

Flitsch’ ihn einfach weg wie einen Popel.

Erfreue dich stattdessen darüber, dass dein Kind mehr Zeit braucht: Zu schnell und zu früh ist ungenau.

Wenn Du die Entwicklung deines Kindes nicht beschleunigst, wirst Du später niemals rufen müssen:

„Lauf’ langsam! Sonst fällst du hin!“

„Halt’ dich fest!“

„Nein, nicht da lang! Siehst du nicht, dass es zu hoch ist?!“

Wie schnell und wie langsam ein Kind etwas lernt, ist sehr individuell.

Lass dich von der Dynamik deines Kindes überraschen3)Ich höre schon die Empörung einiger Ärzte, Pädagogen oder Hebammen: Man muss das Kind doch fördern, wenn es zu langsam ist!!! Man kann doch nicht einfach seelenruhig monatelang zuschauen! Ich höre auch schon die Gedanken mancher Eltern zischen: Wir haben mit unseren Kindern geübt und sie sie sind schon mit einem Jahr gelaufen und am zweiten Geburtstag Fahrrad gefahren. Es hat ihnen auch nicht geschadet. Das habe ich auch nicht behauptet. Ich mache nur darauf aufmerksam, dass Kinder mir bereits einer winzigen Abweichung von der Norm pathologisiert werden.

Hier habe ich für Dich die wichtigsten Informationen über die Zeit in der motorischen Entwicklung zusammengestellt.

Geheimnis in der motorischen Entwicklung #2: Verzichte auf sinnlose Geräte

Wo wir schon bei Krabbelrollen und Lauflernwagen sind…

Die Spielzeugindustrie verdient eine Menge an dir.

Woher ich es weiß?
Tippt man bei Google einen Suchbegriff ein, der mit Kindesentwicklung zu tun hat und häufig gesucht wird, sticht einem gleich die Werbung der Spielzeugindustrie ins Auge.

Jeder Klick kostet den Anbieter zum Teil mehr als 1 EUR. Das macht die Industrie nur, weil sich gerade dein Portemonnaie öffnet!

Mit Geräten wie der Krabbelrolle, Lauflernwagen oder der Lauflernhilfe sollst du dein Kind in eine Position versetzen, die es von alleine nicht erreichen kann.

Aber lohnen sich solche Investition für Kinder eigentlich?

Stell dir einmal vor, dass du als Erstklässler in die Mathestunde der vierten Klasse gesetzt wirst – da wird dir einiges vorweggenommen.

Diese Geräte funktionieren nach dem gleichen Prinzip: Sie verhindern all die vielen kleinen Entwicklungsschritte zum Krabbeln, Sitzen und Laufen.

Ihr Einsatz übergeht die natürliche Grenze von Fähigkeiten4)Ein Baby, welches sich noch nicht mal auf die Seite drehen kann, wird schon auf den Bauch gelegt. Ein Baby, das noch nicht mal frei stehen kann, wird schon aufgestellt und soll die ersten Schritte machen.

So wie du dich als Erstklässler irgendwie mit den Aufgaben aus der vierten Klasse zurechtfinden würdest, arrangieren sich die meisten Kinder mehr oder minder gut mit dieser Situation.

Das Ergebnis: eine schlechte Bewegungsqualität.

Würdest Du ein kleines Kind einen steilen Hang hinaufziehen und es auf Skiern herunterfahren lassen?

Natürlich nicht.

Du würdest ihm zunächst die Möglichkeit geben zu lernen, wie man auf Skiern steht.

Dann würdest du ihm einen Minihügel anbieten.

Genauso verhält es sich mit dem Laufen lernen, dem Fahrradfahren, dem Schwimmen, dem Klettern usw.

Bis ein Kind wirklich schwimmen kann, muss es viele Erfahrungen mit der Atmung, dem Auftrieb, dem Springen, Tauchen usw. machen.

Bis ein Kind wirklich stehen und irgendwann laufen kann, muss es viele, viele kleine Positionen und Bewegungsabläufe üben.

Solche Dinge erzählt einem aber niemand.

Die Spielzeugindustrie ganz vorne ist ausschließlich an ihrem Umsatz interessiert.

Wirf dein Geld nicht zum Fenster raus.

Erfreue dich lieber an all den kleinen Fortschritten, die dein Kind jeden Tag macht.

Völlig kostenlos und stressfrei.

Geheimnis in der motorischen Entwicklung #3: Motorische Erfahrungen in die Höhe ermöglichen

Kletterbäume sind in Städten eher selten anzutreffen.

In einem Berliner Park steht ein Kletterbaum mit unzähligen, stabilen Ästen. Die ersten von ihnen sind etwa hüfthoch.

Eines frühen Nachmittags bin ich an diesem Baum vorbeigegangen. Der Park war menschenleer.

Als ich mich dem Baum näherte, traute ich meinen Augen nicht: Er war wie ein Obstbaum vollbehangen mit Kindern im Alter von ca. 12 Jahren.

Sie wuselten, lachten oder riefen sich etwas zu, während der nahliegende Spielplatz vollkommen leer war.

Kinder wollen in die Höhe!

Nur selten lassen sie Klettermöglichkeiten aus.

Schon Babys ziehen sich überall hoch, noch bevor sie frei stehen oder gar laufen können5)Kinder, die sich in ihrem Tempo entwickeln ziehen regelmäßig sich zwischen dem 8 und 16 Monat hoch. Aus welchen Gründen sich sehr, sehr wenige Kinder vor dem achten Monat hochziehen ist nicht immer ganz klar. Höchstwahrscheinlich haben diese Kinder zu wenig Platz, um sich zu rollen, kriechen, robben und krabbeln. Bereits ab dem unbeabsichtigten Rollen brauchen Babys mindestens 2 x 2 m Platz, um sich ungehindert zu bewegen. Über die Bewegungsentwicklung von Babys, die sehr viel Zeit in Tragehilfen verbringen liegt bislang keine Studie vor..

Unsere Aufgabe besteht darin, den Babys ab dem Moment Klettermöglichkeiten zu bieten, ab dem sie anfangen sich zu rollen.

Die erste Möglichkeit sollte ca. 10 cm hoch sein. Eine umgedrehte Schublade erfüllt hierfür bereits alle Voraussetzungen.

Weiter geht es dann mit einem Sprossendreieck bzw. Kletterdreieck.

Auch ein ca. 2-3m langes Rutschbrett kann krabbelnd oder stehend erobert werden.

Hier gibt es unzählige Möglichkeiten und Situationen, die sich ganz einfach schaffen lassen6)In diesem Videokurs erläutern wir detailliert über den Einsatz von Geräten in der freien Bewegungsentwicklung..

Das Geheimnis: Kinder, die ab dem Rollalter fallen lernen UND sich die Höhe langsam erarbeiten, sind später in schwindelerregenden Höhen eines Kletterbaums selbstsicher und verhalten sich eigenverantwortlich.

Da muss man als Elternteil nicht unten stehen und jeden Schritt anleiten.

Du musst nicht ‚vorsichtig‘ oder ’nicht so hoch‘ rufen und in Angst und Bange um dein Kind einen Nagel nach dem anderen abknabbern.

Du kannst mit ihm klettern oder dich an der Freude deines Kindes erfreuen!

Geheimnis in der motorischen Entwicklung #4: Ruhig beobachten, anstatt arbeiten

Ich war neulich in einem Kletterpark.

Die Kinder klettern dort in 1,5 m Höhe ohne Gurt.

Die Parcours eignen sich für Kinder ab vier, besser noch ab fünf Jahren.

Während mein Sohn mit seiner Freundin in aller Ruhe die Hindernisse überwunden hat und ich das Geschehen von unten beobachtete, hat eine andere Mutter neben mir gearbeitet.

Sie hatte wirklich allerhand zu tun: Zunächst musste sie ihr Kind auf den Anfang der Parcours hochschieben. Denn es rutschte immer wieder auf der Leiter aus.

Ihr Kind schien schwer von Begriff zu sein, denn sie musste ihm sagen, dass es nun über das erste Seil balancieren soll.

Super Tipp: Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass ich in einem Kletterpark balancieren kann.

Als nächstes folgten noch detaillierte Anweisungen:

„Halt Dich mit der rechten Hand fest! Nein hier! So ist gut. Nun kannst Du rübergehen.“

„Keine Angst. Ich fange dich auf. So und jetzt noch einen Schritt, dann hast du es geschafft.“

„Toll! Und jetzt gehst du zum nächsten Seil. Nein, warte. Fass das Seil oben an, dann kannst du rüber. So, jetzt hier. Und weiter.“

Puh… ganz schön anstrengend, diese Frau.

Während ihr Sohn mitten auf einem Seil stand, klingelte ihr Telefon. „Warte hier, ich muss kurz telefonieren.“

Sie entfernte sich einige Schritte und dann geschah es: Ihr Sohn schaute mich fragend an,

ich lächelte ihn an und er ging Schritt für Schritt bis zum Ende des Seils.

Dann wartete er, bis meine Kinder das nächste Stück beendet hatten und ging zwar etwas unsicher, aber doch nach vorne schauend über ein Kletternetz.

Zwischen uns ist kein Wort gefallen und doch haben wir etwas gemeinsam erlebt.

Inzwischen war Mutter wiedergekommen: „O toll! Halte dich gut fest…“

Menschen reden sehr gerne und sehr viel.

Ich sehe, dass viele Eltern wohl davon ausgehen, dass erstens Kinder nicht nonverbal kommunizieren können und sie zweitens für alles eine genaue Anleitung brauchen.

Manchmal frage ich mich, ob manche Erwachsene Kinder eigentlich für völlig bescheuert halten.

Wir können doch nicht jeden Schritt für unser Kind so vorausplanen wie die Mutter im Kletterpark.

Wage den Versuch und warte ab, was dein Kind macht.

Bremse Dich in deinem Impuls wirklich alles zu erklären und ständig dazwischenzureden.

Kinder lernen am besten, wenn sie ungestört sind.

Sie holen sich ihre Herausforderungen.

Genau die, die sie brauchen: Nicht zu schwer und nicht zu leicht.

Geheimnis in der motorischen Entwicklung #5: „Das habe ich ganz alleine gemacht“

Wenn wir schon bei ungestört sind…

„Das Kind muss auch wollen können“ Jutta Wangemann

Ich habe vor Kurzem meine Unterlagen aus der Uni durchgesehen und war sehr überrascht: Ich konnte mich an die meisten Texte noch nicht einmal erinnern.

Obwohl ich eine fleißige Studentin war, waren sie mir – obwohl übersät mit Anmerkungen – völlig unbekannt.

Doch dann stieß ich auf meine Hausaufgaben und es traf mich wie ein Blitz.

Es war, als wäre es gestern gewesen: Ich konnte mich an jede Zeile, jeden Gedanken, jede Frage erinnern. Ich wusste sogar, zu welcher Jahreszeit ich welche Hausaufgabe geschrieben hatte.

Das Geheimnis dahinter: Wir lernen etwas, wenn wir es selbst gemacht haben.

Alles, was Kinder selbständig schaffen, macht sie nicht nur stolz. Es ist der einzige Weg, etwas so zu lernen, dass es zu uns gehört und nicht nur wie ein Stück Tesa an uns klebt.

Wie ein Fremdkörper, von dem wir uns nur allzu gerne trennen würden.

In den ersten drei Lebensjahren scheinen wir Kindern in der motorischen Entwicklung kaum etwas zuzutrauen.

Wir sind felsenfest davon überzeugt, dass sie ohne unsere Anleitung nichts hinkriegen.

Daraus resultiert aber nur, dass sowohl wir als auch unsere Kinder von unseren Körpern getrennt sind.

Die meisten Menschen bestehen aus zwei Hälften: Kopf und der Rest.

Der eigene Körper wird dabei behandelt wie ein Fremdkörper.

Das Geheimnis: Gehe mit deinem Kind dorthin, wo es sich selbständig bewegen darf.

Ist es ständig auf deine Hilfe angewiesen, ist die Umgebung zu schwer.

Punkt.

Geheimnis in der motorischen Entwicklung #6: So viel Hilfe wie nötig

Das Kind schafft etwas nicht.

Der Erwachsene steht ihm natürlich sofort zur Seite und will helfen.

Es ist doch herzlos nicht zu helfen.

Es ist herzlos das arme Wesen völlig sich selbst zu überlassen.

Fällt ein Kind hin, heben wir es sofort auf.

Wir befreien es aus seiner unwürdigen Lage.

Doch jede Hilfestellung hat auch eine unschöne Seite.

Es ist die Seite, die wir nicht so gerne sehen wollen.

Denn jede sofortige Hilfe nimmt dem Kind die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, ob und wie viel Hilfe überhaupt nötig ist.

Jede Hilfe macht das Kind von uns abhängig.

Warum?

Weil wir unserem Kind der Erfahrung berauben, die zu einer Lösung geführt hätte.

Beobachte dich selbst, wenn du deinem Kind hilfst.

Fühle dich in dein Kind hinein und lerne zu differenzieren:

  • Ist es in einer Sackgasse und muss gerettet werden?
  • Sucht es einfach nur deine Nähe?
  • Oder braucht es Zeit, um eigenständig zu einer Lösung zu kommen?

Geheimnis in der motorischen Entwicklung #7: Kostenlos und vielfältig

Schöne Spielplätze gibt es zuhauf.

Doch keiner dieser Spielwiesen kommt an den besten Ort der motorischen Förderung heran: den Wald.

Auf einem Spielplatz gibt es einen Anfang und ein Ende.

Der Wald ist dagegen grenzenlos.

Kinder können sich dort einen passenden Baum suchen und der unebene Waldboden fordert sie bei jedem Schritt.

Wir müssen uns nur trauen die gewohnten Wege ein wenig zu verlassen.

Wir müssen uns nur auf das Entdecken einlassen.

Das Abenteuer suchen.

Mit Kindern in den Wald zu gehen gleich einem Blockbuster: Sie finden Dinge, Tiere, sie sammeln, tasten, rennen, werfen, klettern… Sie erfinden Spiele.

Und wir als Eltern?

Was machen wir?

Wir schauen zu, folgen ihrem Interesse, können auf das Abenteuer gespannt sein.

Wir können uns einfach zurücklehnen.

Denn in unseren Kindern ist alles, was sie für ihre Entwicklung braucht.

Geheimnis in der motorischen Entwicklung #8: Im Wasser spielen

Kinder lieben Wasser!

Die Freude an diesem Element wird leider oft durch Schwimmkurse gedämpft.

Viele Eltern berichten, dass ihre Kinder sich weigern, den Schwimmkurs fortzusetzen, weil sie z. B. tauchen oder springen müssen.

Sie sind also für diese Schritte nicht bereit.

Im Schulschwimmen sind die Bedingungen noch schlechter.

Viele Kinder weigern sich sogar, zum Schulschwimmen zu gehen.

Die Abneigung der Kinder und der Druck durch Zensuren lässt viele Eltern verzweifeln.

Was also können wir tun, um unseren Kindern die Freude am Wasser zurückzugeben?

Die Prinzipien der motorischen Entwicklung an Land gelten auch im Wasser:

  • emotionale Sicherheit geben
  • Zeit geben
  • eigene Schrittreihenfolge erlauben (manche Kinder fangen mit dem Springen, manche mit dem Tauchen an…)
  • die natürliche Fähigkeitsgrenze der Kinder wahren (jegliche Schwimmhilfen und aufblasbares Spielzeug lässt Kinder sich in Wassertiefen bewegen, für die sie keine Fähigkeiten haben)
  • die Kinder spielen lassen anstatt sie im Wasser unterrichten.

Du wirst staunen, was Kinder lernen, wenn sie ungestört spielen dürfen: Das Schwimmen kommt von ganz alleine!

Hier habe ich für Dich eine genaue Anleitung für die motorische Entwicklung im Wasser.

Geheimnis in der motorischen Entwicklung #9: Habe Mut zur Reizarmut

Neulich hörte ich in einem Therapiebecken der Taunus Therme die hohen Töne einer Frau: „Tü, tü tü, da, da, da, oui, oui, oui, oui…“

Als ich mich dem Becken näherte, sah ich sie mit einem wenige Monate alten Baby.

Sie hielt es zu sich gewandt in der Luft, tauchte es etwas ein, holte es wieder aus dem Wasser heraus und trillerte ihre eigenartigen Laute.

So ein Baby hat enorm viel zu verarbeiten.

Es ist permanent damit beschäftigt, Körpersignale zu verarbeiten und sie zu integrieren.

Es muss einfach alle Informationen von Außen verarbeiten.

Eine Menge Arbeit…

Ein neuer Ort, wie ein Schwimmbad ist selbst für Kinder im zweiten Lebensjahr mit einem Urwald zu vergleichen.

Es ist wie eine Ladung auf einem fremden Planeten.

Aber die meisten Eltern kommen nicht einmal darauf, wie stark so eine Umgebung auf das eigene Kind wirkt.

Mein Rat an dich: Verzichte lieber darauf, dein Baby oder Kleinkind mit zusätzlichen Sinnesreizen zu bombardieren.

Aus gut gemeinter Förderung wird eine komplette Überförderung.

Stell dir immer wieder vor, dass du auf einem fremden Planeten landest: Die Schwerkraft, die Gerüche, die Akustik, das Licht – alles ist anders.

Du brauchst Wochen oder sogar Monate, um dich bewegen zu können, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden, usw.

Stellt dir nun vor, dass dich jemand ständig anspricht, dir etwas vorsingt, Gegenstände vor deinen Augen schüttelt.

Stellt dir vor, dass jemand ständig deine Aufmerksamkeit auf sich lenkt, während sich deine Augen noch nicht einmal an die neuen Lichtverhältnisse gewöhnt haben.

Ganz ehrlich: Ich würde irgendwann ausrasten, brüllen, um mich schlagen, wenn mir jemand andauern diese Töne vortrillern würde.

Es hat nicht lange gedauert, bis das Baby im dem Therapiebecken brüllte.

Die Mutter verließ das Becken und fütterte es sofort.

Geheimnis in der motorischen Entwicklung #10: Bewegungsmöglichkeiten zu Hause anbieten

Besitzt du auch eines von diesen häuslichen Fitnessgeräten?

Ganz ehrlich: Steht es jetzt in einer Ecke und wird als Wäscheständer gebraucht?

Vielleicht trainierst du aber auch fleißig und erweiterst dein privates Fitnessstudio?

Auch Kinder brauchen ihr eigenes Fitnessstudio.

Es dient bestimmt nicht einem gezielten Aufbau von Muskeln oder der Ausdauer, aber es kompensiert den unendlichen Bewegungsdrang von Kindern.

Richte deinem Kind eine Bewegungsecke ein und verzichte lieber auf ein Regal.

In diesem Ebook findest Du platzsparende und sinnvolle Geräte für eine häusliche Bewegungsecke.

Geheimnis in der motorischen Entwicklung #11: 5% Erziehung – 95% Vorbild

Hast du dich dabei erwischt, genauso wie deine Mutter zu reden?

Weiß du eigentlich wie schwer es ist, nicht dem Vorbild der eigenen Eltern zu folgen?

Wir reden, leiten an, korrigieren, schimpfen…

In Fachkreisen nennt man das Erziehung.

Ich sage dir: Vergiss Erziehung.

Schau lieber, was du Deinem Kind vorlebst7)Keine Erziehung bedeutet nicht, dass die Kinder sich selbst überlassen werden. In diesem Buch findest Du einen Lösungsvorschlag  aus dem Keine-Erziehung-Was-Aber-Dann-Dilemma.

Wenn du mit einer gewissen Abneigung in ein Schwimmbecken steigst, wird dein Kind dich kopieren.

Wenn du nur ungerne auf ein Fahrrad steigst, wird höchstwahrscheinlich auch dein Kind früher oder später das Fahrradfahren lassen.

Wenn Du jede Woche Yoga machst oder zu einer Kampfkunstschule rennst, wird auch dein Kind Interesse daran entwickeln.

Das bedeutet nicht, dass du dir eine Fahrradtour aufbürgen müsst, damit dein Kind Lust dazu bekommt.

Das bedeutet, dass du das machen solltest, was dir Spaß macht.

Vielleicht fühlst du dich im Wald wohl.

Vielleicht bist du gerne am Wasser.

Wo geht dein Herz auf?

Weißt du es jetzt?

Dann zeig es deinem Kind und auch sein Herz wird aufgehen.

Geheimnis in der motorischen Entwicklung #12: Sportveranstaltungen

Als Kind habe ich mit Begeisterung Eiskunstlaufen im Fernsehen geschaut.

Ich träumte davon, vor großem Publikum aufzutreten.

Ich habe sogar eine Saison in einer Eiskunsthalle verbracht.

Dann waren meine Schlittschuhe zu klein und meine ‚Karriere‘ war zu Ende.

Das Geld für neue Schlittschuhe hatten meine Eltern nicht.

Aber sie wussten, wofür mein Herz brennt.

Besuche mit deinem Kind Sportveranstaltungen: Marathon, Fußball, Basketball, Hockey, Eislaufen.

Beobachte, was dein Kind begeistert.

Biete ihm die Teilnahme an einem Kinder-Marathon an, wenn es sich für das Laufen interessiert.

Wenn Freude und nicht der Wettbewerb im Vordergrund stehen, können bereits Vorschulkinder mitlaufen.

Vielleicht findest Du eine Sportveranstaltung für ältere Kinder.

Stimmt die Schwingung, wird in deinem Kind ein Wunsch wachsen, sich auch irgendwann mit anderen zu messen8)Michael Groß erzählte mir, dass sein Wunsch, sich mit anderen zu messen etwa mit dem Beginn der Pubertät entstand. Entscheidend ist, dass der Wunsch tatsächlich von ganz alleine kommt und nicht mit Tricks forciert wird.

Geheimnis in der motorischen Entwicklung #13: Wie toben

„Ich brauche nicht mehr ins Fitnessstudio zu gehen“ sagte ein Vater nachdem er zusammen mit anderen Eltern auf Sportmatten gespielt hat.

Auch mein Herz schlug schnell. Der Muskelkater war vorprogrammiert.

Seitdem ich mit Fred Donaldson – dem Entdecker des ursprünglichen Spiels –  auf der Matte war, ist original play aus unserem Familienalltag nicht mehr wegzudenken.

Das „Fred-Spiel“, wie mein Sohn es nennt, sieht aus wie Toben, kommt aber ohne Gewinner, Verlierer und Tränen aus.

Wie fängst Du an?

Ganz einfach: Gehe auf alle Viere und Dein Kind wird es Dir zeigen.

Original play können wir nur von Kindern lernen.

Wir werden weicher in unseren Bewegungen.

Je weicher wir werden, desto weicher werden auch unsere Kinder.

 

Nicht nur Kinder müssen lernen

Kinder entwickeln sich ganz von alleine.

Sie sind so geschaffen.

Ganz einfach.

Das heißt nicht, dass du dich gar nicht mit deinem Kind beschäftigen sollst.

Es bedeutet, dass dein Kind seine eigene Zeit hat, um sich zu entwickeln – und dass es diese Zeit auch braucht.

Gib ihm dem Raum sich selbst zu entfalten, eigenständig zu lernen und auch mal Fehler zu machen.

Aber habe immer ein Auge auf dein Kind und lerne, die Situation richtig einzuschätzen.

Greife dann ein, wenn es wirklich notwendig ist.

Auch Eltern dürfen dabei Fehler machen, keine Frage.

Aber so wie unsere Kinder, müssen auch wir uns weiterentwickeln und immer mehr dazulernen.

Und jetzt ändere etwas

Hast du dich dabei erwischt, dass du dein Kind vielleicht auch so bemutterst wie die Frau im Kletterpark?

Oder gehörst du zu den komisch trillernden Menschen, wie die Mutter im Schwimmbad?

Vielleicht gehörst du auch zu einer ganz anderen Kategorie.

Entscheidend ist, dass du deine Verhaltensmuster als Elternteil analysieren und verbessern kannst.

Darum nimm dein Herz in die Hand und setzte noch heute einen meiner Tipps um.

Dein Kind und seine Entwicklung werden es dir danken.

 

References   [ + ]

1. https://www.youtube.com/watch?v=QHMG2XwPLyY&t=1m30s
2. http://www.kas.de/upload/dokumente/2008/02/080227_henry.pdf
3. Ich höre schon die Empörung einiger Ärzte, Pädagogen oder Hebammen: Man muss das Kind doch fördern, wenn es zu langsam ist!!! Man kann doch nicht einfach seelenruhig monatelang zuschauen! Ich höre auch schon die Gedanken mancher Eltern zischen: Wir haben mit unseren Kindern geübt und sie sie sind schon mit einem Jahr gelaufen und am zweiten Geburtstag Fahrrad gefahren. Es hat ihnen auch nicht geschadet. Das habe ich auch nicht behauptet. Ich mache nur darauf aufmerksam, dass Kinder mir bereits einer winzigen Abweichung von der Norm pathologisiert werden
4. Ein Baby, welches sich noch nicht mal auf die Seite drehen kann, wird schon auf den Bauch gelegt. Ein Baby, das noch nicht mal frei stehen kann, wird schon aufgestellt und soll die ersten Schritte machen
5. Kinder, die sich in ihrem Tempo entwickeln ziehen regelmäßig sich zwischen dem 8 und 16 Monat hoch. Aus welchen Gründen sich sehr, sehr wenige Kinder vor dem achten Monat hochziehen ist nicht immer ganz klar. Höchstwahrscheinlich haben diese Kinder zu wenig Platz, um sich zu rollen, kriechen, robben und krabbeln. Bereits ab dem unbeabsichtigten Rollen brauchen Babys mindestens 2 x 2 m Platz, um sich ungehindert zu bewegen. Über die Bewegungsentwicklung von Babys, die sehr viel Zeit in Tragehilfen verbringen liegt bislang keine Studie vor.
6. In diesem Videokurs erläutern wir detailliert über den Einsatz von Geräten in der freien Bewegungsentwicklung.
7. Keine Erziehung bedeutet nicht, dass die Kinder sich selbst überlassen werden. In diesem Buch findest Du einen Lösungsvorschlag  aus dem Keine-Erziehung-Was-Aber-Dann-Dilemma
8. Michael Groß erzählte mir, dass sein Wunsch, sich mit anderen zu messen etwa mit dem Beginn der Pubertät entstand. Entscheidend ist, dass der Wunsch tatsächlich von ganz alleine kommt und nicht mit Tricks forciert wird

5 So lernen Babys laufen

So lernen Babys laufen

Kaum ziehen sich Kinder an Möbeln hoch, wirken sie plötzlich groß. Aus dem Baby wird ein Kleinkind. Für Eltern und die ganze Familie ein großer Tag! In unserer Kultur strecken die meisten Eltern ihre Hände aus und laden zum Loslassen und den ersten Schritten ein. Viele fangen an, das Kind an den Händen zu führen, um die neue Fortbewegungsart zu üben.

Kommt Dir das bekannt vor?
Kinder, die aus eigener Initiative laufen lernen, entwickeln sich gesünder.

Fragst du Dich, ob es möglich ist, dass ein Kind ohne die Hilfe eines Erwachsenen laufen lernen kann. Wenn es möglich ist: Was haben sie davon? Ist es schädlich, sein Baby an den Händen zu führen?

Wie Kinder laufen lernen, ohne an den Händen geführt zu werden?

Zuerst versuchen die Kinder aufzustehen, indem sie sich z. B. an einem Gitterbettchen festhalten. Sie machen seitwärts ihre ersten Schritte. Als nächstes üben sie das freie Stehen. Erst nach dem freien Stehen kommt das freie Gehen.

In dieser letzten Phase der motorischen Entwicklung wechseln sie durchschnittlichen ca. 2 mal pro Minute ihre Position. Die häufigsten Positionen sind: Sich-Aufsetzen und der Vierfüßlerstand (vgl. Pikler S. 54). Nach und nach erlöst das freie Gehen das Krabbeln und das Sich-festhaltend-Gehen.


Wie schwer es ist sein Gleichgewicht in dieser neuen Position zu halten, ohne zu wissen wie man wieder herunterkommt, wird in diesem Video deutlich.

Will ein Kind zu einem Spielzeug oder zu seinen Eltern, krabbelt es oder läuft sich irgendwo festhaltend – es benutzt also eine geübte Fortbewegungsart. Will es das freie Stehen oder freies Gehen üben, konzentriert es sich ausschließlidh darauf. Es ist ganz bei sich. Kind unsere Arme aus, wird es von sich aus voller Vorfreude das geübte Krabbeln benutzen, um in unsere Arme zu kommen. Verlangen wir von ihm freies Gehen, brechen wir gewissermaßen das natürliche Bedürfnis nach eigener Sicherheit. Mit anderen Worten: Wir laden es zum Körperkontakt ein und verlangen von ihm gleichzeitig die Überwindung der Distanz in einer noch riskanten Fortbewegungsart: Es könnte jederzeit sein Gleichgewicht verlieren.

Zwischen dem sich festhaltend Hochziehen, dem sich wieder Herablassen und dem freien Gehen sind also einige Entwicklungsschritte notwendig, bis die Muskulatur ausreichend ausgebildet ist. Jetzt kann das Kind sein Gleichgewicht würdevoll halten. Warum würdevoll? Bist du schon mal auf der Straße gestolpert? Als erstes schauen wir uns um, ob uns jemand gesehen hat. Sein Gleichgewicht zu verlieren ist unangenehm und peinlich.

Wann lernt ein Baby laufen?

3 bis 25% der Babys beginnen im neunten und zehnten Monat sich hochzuziehen. Kinder, die wenig Raum zum Rollen, Kriechen, Krabbeln haben und/oder zum Hochziehen animiert werden, ziehen sich noch früher hoch. In seltenen Fällen machen sie diesen Entwicklungsschritt vor dem neunten Lebensmonat.
75 bis 97% der Kinder ziehen sich im 15 oder 16 Monat hoch. Wenn sie einen zufriedenen Eindruck machen und ihre Spielentwicklung ’normal‘ verläuft, sehe ich keinen Grund zur Sorge.

Zwischen dem sich hochziehen und den ersten Schritte vergehen Monate. 3 bis 25% der Kinder unternehmen mit 12 Monaten die ersten freien Schritte, 75 bis 97% im 21 Monat.

Braucht mein Kind einen Wagen (Lauflernwagen)?

Lauflernwagen eigenen sich ausschließlich für Kinder, die laufen können. In der freien Entwicklung können das Kinder zwischen dem 13 und 21 Monat. Meinem Gefühl nach hat die Spielzeugindustrie ihre Zielgruppe erweitert, indem sie Puppenwagen zu Lauflernhilfen umgestaltet hat. Da alle Familien daran interessiert sind, die Entwicklung ihrer Kinder bestens zu fördern, ist die Bereitschaft für den Kauf solch eines Wagens hoch.

Kinder lernen nicht laufen, indem sie einem rollenden Gegenstand hinterher rennen. Sie sind dem sich wegbewegenden Wagen ausgeliefert. Sie haben weder die Fähigkeit die Geschwindigkeit zu bestimmen, noch ihn anzuhalten. Der natürliche Lernprozess wird durcheinander gebracht.
Darauf hat die Spielzeugindustrie reagiert: Manche Lauflernwagen können durch das Anschrauben der Räder etwas abgebremst werden. Ich frage mich, wofür ein Baby noch einen Wagen braucht, wenn ein Stuhl für das Schieben ausreicht oder sich dafür besser eignet.
Babys, die einer Lauflernhilfe hinterherrennen, laufen auch nicht schneller.

Was haben Babys von der freien Entwicklung?

Kinder, die sich in ihrem eigenen Tempo, ohne beschleunigende oder motivierende Maßnahmen seitens Erwachsenen aufwachsen und sich emotional sicher fühlen, haben eine fantastische Bewegungsqualität. Warum? Der menschliche Körper hat eine ungeheure Intelligenz die Bewegungen so zu organisieren, dass mit möglichst wenig Kraft ein optimales Ergebnis erzielt wird. Das tut er durch zahlreiche Versuche. Er probiert im Rahmen seiner Möglichkeiten eine Bewegungsform, wie das sich Drehen auf die Seite und später auf den Bauch und wieder zurück, bis sie optimal ist. Zweitens probiert er unterschiedliche Bewegungsformen aus, bis er eine findet, die sich am optimalsten anfühlt und sich mit seinen Lebensbedingungen vereinbaren lässt.

Da jeder Körper komplett verschieden ist, ist das Kind die einzige Person, die beurteilen kann, was gerade möglich ist, was noch zu schwer ist und wie es eine Bewegungsform optimieren kann. Dieser Optimierungsprozess braucht seine Zeit und führt am Ende zu einer für genau diesen Körper ausgereifter Muskulatur, einem optimalen Einsatz ALLER Muskeln. Hat ein Kind eine fantastische Bewegungsqualität, kann es für eine Bewegung seine Muskelkraft optimal einsetzen: Nirgendwo hat es zu viel oder zu wenig Spannung. Damit ist eine Grundlage für die lebenslange Gesundheit gesetzt.

Schubidu! – Tipps für die ersten Schuhe wenn barfuß nicht geht

„70% der Informationen die das Gehirn benötigt um den Untergrund zu spüren und eine sichere Bewegung in Gang zu setzen, kommen von den Nerven Ihrer Fußsohlen.“ Ich empfehle Dir, Dein Kind so viel wie möglich barfuß laufen zu lassen. Ist der Boden fußkalt helfen Stülpen.
Doch in den kalten Monaten lassen sich Schuhe nicht vermeiden. Wenn Dein Kind sicher laufen kann, steht der Einkauf von ersten Schuhen an.

Wie Du den richtigen Schuh findest

Die richtige Schuhgröße kannst du am besten mit einer Schablone aus einem Karton oder dem Messgerät feststellen. 68% der Kinder tragen zu kleine Schuhe. 74% der Kinder tragen keine passenden Hausschuhe (vgl. Studie).

 

 

 

Mit diesem Messgerät lässt sich die Schuhgröße ganz einfach bestimmen.

 

 

 

 

Mit Ausnahme von Skischuhen sollten die Schuhe eine dünne und flexible Sohle haben. Der Markt der Barfuschuhe ist inzwischen stark gewachsen. Hier einige Empfehlungen:

  1. Hausschuhe von Nanga gibt es in den Größen 20-38. Sie kosten zwischen 18-28 EUR. Die Sohle ist so weich, dass sie sich komplett einrollen lässt.

2. Die Barfußschuhe von Vivobarefoot gibt es in den Größe 20, 29 und 30. Mit 70 EUR liegen sie auf dem gleichen Niveau wie gute Turnschuhe. Der Sommerschuh ist atmungsaktiv und in den Größen 20 bis 30 für 65 EUR verfügbar.


3. Die Barfußschuhe von Leguanito ähneln einer Socke. Mit einer großen Farbauswahl gibt es sie in den Größen 28, 30 und 32.  Sie fallen eher zu klein aus, so dass sich eine Bestellung zwei Größen größer empfielt. Der Preis ist mit 59 bis 69 EUR eher hoch einzuschätzen.

4. Sole Runner hat inzwischen auch Barfußschuhe für Kinder, die sich eher für flache Füße eignen. Ich empfehle besonders die Stiefel für den Winter, da viele Kinder nach dem Barfußlaufen in den warmen Monaten oder leichten Schuhe große Schwierigkeiten mit der Umstellung auf Winterstiefel haben.

Die Winterstiefel gibt es in den Größen 28-35 für 95,49 bis 129,90 EUR.
Die Sneakers gibt es in den Größen 29-35 für 64,52 bis 75,90 EUR.


Quellen

http://www.bkk-bayern.de/uploads/media/BKK_Kinderfuesse_Abschlussberich_10-10-2016.pdf

5 Dein Baby in die Bauchlage: Freudvoll und natürlich

Dein Baby in die Bauchlage: Freudvoll und natürlich

Wann dreht sich ein Baby auf den Bauch

Wenn du ein noch sehr junges Baby hast, dann kannst du es wahrscheinlich kaum erwarten, bis es sich das erste Mal dreht. Gerade am Anfang kann es dir vorkommen, als ob sich wochenlang nichts verändern würde, als ob die Zeit stehen geblieben ist. Manche Babys unternehmen früher, manche später ihre ersten Versuche, sich zu drehen und sich freiwillig in die erstmal unbequeme Lage zu versetzen.

Du hast wahrscheinlich bereits gehört, dass du dein Baby regelmäßig auf den Bauch legen sollst, um mit ihm die Bauchlage zu üben. Kinderärzte erwarten im 4. bis 4. Lebensmonat, dass ein Kind den Kopf halten kann (Unterarmstütz in Bauchlage). Eine Studie, die die Häufigkeit und Dauer des Bauchlagentrainings im Zusammenhang mit der Fähigkeit, den Kopf zu halten, liegt meiner Kenntnis nach nicht vor.

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Wann ein Baby entwicklungsverzögert ist

Warum ist ein Kind, welches mit neun Monaten nicht sitzt oder krabbelt nicht entwicklungsverzögert?
Im oberen Video kannst du Zeuge der Bewegungsentwicklung von zwei Kindern werden. Tibi kommt besonders schnell zum sicheren Gehen, Attila besonders langsam. Beide Kinder sind jedoch nach der Forschung vom Emmi Pikler völlig gesund.

Was kannst du tun, wenn dein Kind mit neun Monaten nicht sitzt oder krabbelt? Was, wenn es mit sechzehn Monaten nicht läuft? Was, wenn es sich mit sechs Monaten immer noch nicht auf den Bauch dreht? Schließlich sind solche Kinder beim Kinderarzt schon längst als entwicklungsverzögert ettiketiert worden.
Zunächst mal gar nichts.
Die meisten Eltern schauen in Entwicklungskalendern nach, um zu erfahren, wann Kinder welche motorischen Fähigkeiten erwerben.
Doch die gängigen Entwicklungstabellen und Entwicklungskalender weisen massive Probleme auf. Das habe ich in diesem Beitrag ausführlich erläutert.
Was aber dann?

Der Entwicklungsbogen von der Kinderärztin Judit Falk

Auf welcher wissenschaftlichen Grundlage ist der Entwicklungsbogen entstanden?
Dr. Emmi Pikler und Anna Tardos haben im Pikler-Institut in Budapest die motorische Entwicklung von hunderten von Heimkindern untersucht, die alle unter identischen Bedingungen aufgewachsen sind:

  • in einer entwicklungsentsprechenden Umgebung1)Entwicklungsentsprechend bedeutet, dass die Kinder ab ca. drei bis vier Monaten auf einer festeren Unterlage lagen und sie bis zum freien Gehen genug Fläche und Geräte (Kiste, Sprossendreieck, Treppen…) zu Verfügung hatten. Ich möchte an dieser Stelle nicht den Begriff altersentsprechend verwenden, da es eine Erwartung einer Entwicklung in einem bestimmten Alter impliziert, während der Begriff entwicklungsentsprechend auf die individuelle Entwicklung verweist. und
  • ohne beschleunigende oder korrigierende Eingriffe der Erwachsenen.

Alle Kinder hatten eine gute Beziehung zu ihren Pflegerinnen2)In Ungarn gibt es Pflegerinnen und Pädagoginnen. und erlebten einen friedlichen und respektvollen Umgang3)Da das Geburtsgewicht (und nicht das errechnete Geburtsdatum) die zeitliche Entwicklung beeinflusst, wurden die Kinder in vier Gewichtsgruppen eingeteilt. Die Angaben in der Tabelle von Judit Falk beziehen sich auf eine typische Gewichtsgruppe..
Dass die untersuchten Kinder unter identischen Bedingungen aufgewachsen sind, hat eine große Bedeutung für die Kontrolle der Untersuchung:
Die meisten Studien können entscheidende ‚Störfaktoren‘ nicht kontrollieren, da sie nur auf Befragungen von Eltern oder Beobachtungen im Labor beruhen. Die Wissenschaftler wissen nicht, inwiefern Erwachsene die Entwicklung beeinflusst haben und in welcher Umgebung die Kinder aufgewachsen sind. Ob ein Baby bereits ab drei Monaten genug Fläche zur Verfügung hat oder viel Zeit im Bettchen oder Transportmitteln4)Hier ist besonders ein zu langer Aufenthalt in Autositzen (im Auto oder auf einem Gestell), Babyhopsern und ähnlichen Geräten, die besonders in den ersten Monaten die Entwicklung des Gleichgewichts auf dem Rücken und der Entwicklung der Seit- sowie Bauchlage verhindern. verbringt, beeinflusst den Verlauf der Entwicklung. Genauso entscheidend ist, ob Erwachsene die Babys in Positionen versetzen, die sie selbständig nicht einnehmen können5)Gemeint ist das Drehen der Kinder auf den Bauch, das abgestütztes Hinsetzen, das Aufstellen und Führen an den Händen bevor die Kinder diese Positionen und Bewegungen selbständig erreicht haben..
Die gängigen Entwicklungstabellen können maximal einer groben Orientierung dienen.

Ein Kind darf nur mit sich selbst verglichen werden.

Wann brauche ich aber professionelle Hilfe?

Die meisten Eltern haben ein sehr gutes Gespür dafür, ob es ihren Kindern gut geht.
1. Insofern ist die erste und wichtigste Frage, die du durch deine Beobachtung beantworten kannst, nach dem Wohlbefinden. Vom emotionalen Zustand deine Babys hängt ab, inwiefern es sich sicher fühlt. Sein Sicherheitsgefühl hängt wiederum von der Qualität der Beziehung zu dir ab.
(Attila z. B. macht auf allen Fotos einen sehr zufriedenen Eindruck.)

2. Die zweite Frage, die du dir stellen kannst, ist die nach den Interessen deines Kindes. Womit beschäftigt es sich am liebsten?
Du kannst bereits dem Entwicklungsbogen vom PiklerInstitut sehen, dass dort die Spielentwicklung erfasst wird.

  • die Entdeckung der Hände und das Spiel mit ihnen,
  • die Versuche, einen Gegenstand zu erreichen, ihn später zu ergreifen,
  • einen Gegenstand von einer in die andere Hand zu legen,
  • mit einem Gegenstand klopfen, ihn schwingen oder fallen lassen,
  • das Spiel mit zwei Gegenständen, wie z. B. das Zusammenschlagen oder Aufeinanderstellen,
    einen Gegenstand in ein Gefäß legen, einen Gegenstand wieder aus einem Gefäß herausholen,
    ähnliche Gegenstände sammeln bis zum Bilden von Reihen.

Die Bewegungsentwicklung hängt also mit der Beziehungsqualität und der Spielqualität zusammen.

Professionelle Hilfe brauchst du dann, wenn es dir und deinem Kind nicht gut geht, wenn dein Kind nicht ins Spiel kommt.
Ärze und Physiotherpeuten greifen in der Regel viel zu früh mit sogenannten Fördermaßnahmen ein. Wenn du bereits in diesem Prozess bist, kann ich dir ruhigen Gewissens eine umfassende Diagnostik empfehlen, die bei der Pikler-Gesellschaft in Berlin durchgeführt wird.
Als hilfreiche Lektüre hat sich das Buch „Das Sorgenkind im ersten Lebensjahr“ von Monika Aly erwiesen.

Fazit

Was altersgemäß ist, was dein Kind zu einem bestimmten Zeitpunkt können muss, wirkt enorm auf dein Kind und eure Beziehung.
Die Tabelle von Judit Falk ist nur ein erster Schritt, sich von Vorstellungen, welches Kind normal und welches nicht normal ist, zu verabschieden und bietet bei den meisten Kindern gleichzeitig eine Hilfe zu Beruhigung.

Welche Erfahrungen hast du mit ‚Diagnosen‘ und ‚Therapien‘ gemacht?
Wie gehst du mit Entwicklungskalendern um?

References   [ + ]

1. Entwicklungsentsprechend bedeutet, dass die Kinder ab ca. drei bis vier Monaten auf einer festeren Unterlage lagen und sie bis zum freien Gehen genug Fläche und Geräte (Kiste, Sprossendreieck, Treppen…) zu Verfügung hatten. Ich möchte an dieser Stelle nicht den Begriff altersentsprechend verwenden, da es eine Erwartung einer Entwicklung in einem bestimmten Alter impliziert, während der Begriff entwicklungsentsprechend auf die individuelle Entwicklung verweist.
2. In Ungarn gibt es Pflegerinnen und Pädagoginnen.
3. Da das Geburtsgewicht (und nicht das errechnete Geburtsdatum) die zeitliche Entwicklung beeinflusst, wurden die Kinder in vier Gewichtsgruppen eingeteilt. Die Angaben in der Tabelle von Judit Falk beziehen sich auf eine typische Gewichtsgruppe.
4. Hier ist besonders ein zu langer Aufenthalt in Autositzen (im Auto oder auf einem Gestell), Babyhopsern und ähnlichen Geräten, die besonders in den ersten Monaten die Entwicklung des Gleichgewichts auf dem Rücken und der Entwicklung der Seit- sowie Bauchlage verhindern.
5. Gemeint ist das Drehen der Kinder auf den Bauch, das abgestütztes Hinsetzen, das Aufstellen und Führen an den Händen bevor die Kinder diese Positionen und Bewegungen selbständig erreicht haben.

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